Mont Blanc – Abstieg über Spaltenhausen

Für den Abstieg wählten wir die Route zur Aiguille du Midi. Folgende Gründe sprachen dafür:

  • Anderer Weg, neue Eindrücke
  • Wesentlich weniger stark frequentiert, kaum Gegenverkehr
  • Landschaftlich noch eindrucksvoller als der Gouter-Weg
  • Das Ziel, die Aiguile du Midi bereits am Gipfel vor Augen
  • Bahnfahrt von 3842m bis ins Tal möglich
  • Dagegen sprach:

  • Wesentlich längere Wegstrecke
  • Höherer technischer Anspruch
  • Mit zunehmender Sonneneinwirkung größere Lawinengefahr
  • Direkter Blickkontakt zur Aiguille du Midi vom Gipfel aus trügerisch
  • Viele Gegenanstiege
  • Mont Blanc - Aiguille du Midi

    Mont Blanc - Aiguille du Midi

    Schon vom Gipfel des Mont Blanc lässt sich gut die Seilbahnstation Aiguille du Midi erkennen. Es scheint, als verliefe der Weg recht einfach und gradlinig. 1000 Höhenmeter trennten uns noch davon, unsere Bergwanderung auch gebührlich begießen zu können. Leider waren da die vielen Gegenanstiege noch nicht mitgerechnet.

    Weg zur Aiguille du Midi

    Weg zur Aiguille du Midi

    Ganz oben rechts im Bild verläuft der Weg unterhalb einer großen, langgezogenen Schneewechte. Es ist ratsam, hier zu queren, noch bevor die Sonne in die Wechte scheint.

    Eisblöcke auf dem Weg zur Aiguille du Midi

    Eisblöcke auf dem Weg zur Aiguille du Midi

    Die ungeheure Weitläufigkeit und die bizarren, riesigen Eisformationen zeichnen den Abstieg vom Mont Blanc Richtung Nord-Osten aus.

    Schmaler Böschungspfad durch den Schnee

    Schmaler Böschungspfad durch den Schnee

    Der Pfad entlang der Böschung ist gut ausgetreten, nach den langen Steilabstiegen ging es sich hier mit den Steigeisen sehr bequem in bestem, griffigem Schnee.

    Jeti Fussabdruck

    Jeti Fussabdruck

    Eine weitere Eisformation in den Weiten des Gletschers. Die Spaltenanordnung erschien wie ein riesiger Fußabdruck. Wer weiß…

    Gletscherhausen

    Gletscherhausen

    Vor der Abfahrt mit der Seilbahn zog sich der Weg noch durch Gletscherhausen…

    Gletscherspalte Nr. Zweihundertdrölf

    Gletscherspalte Nr 3512

    …Spaltenhausen (immer mal wieder)…

    Wechtenhausen

    Wechtenhausen

    …Wechtenhausen (unentwegt)…

    Schneehorn in Nasenhausen

    Schneehorn in Nasenhausen

    …und schließlich Nasenhausen.

    Wechtenhausen 2

    Wechtenhausen 2

    Wechtenhausen 3

    Wechtenhausen 3

    Haifisch aus Eis

    Haifisch aus Eis

    Nachdem wir alle Gefahren von Wechten- und Spaltenhausen und Serac-City überwunden hatten, konnte uns der ca. 30 Meter große Haifisch kurz vor dem Schlussanstieg zur Aiguille du Midi auch nicht mehr schocken.

    Grat zur Aiguille du Midi

    Grat zur Aiguille du Midi

    Nach knapp 6 Stunden Aufstieg und 9,5 Stunden Abstieg war der Grat hoch zur Seilbahnstation die letzte große Kraftanstrengung. Besonders hinterhältig: der zweite, steilere Teil des Grats offenbarte sich erst, als wir den ersten (auf dem Foto sichtbaren) Teil hinter uns gebracht hatten.

    Mont Blanc - Übersichtskarte

    Mont Blanc - Übersichtskarte

    Fazit: Fast 16 Stunden nonstop auf großer Höhe in der Eiswelt treiben wohl die meisten Bergsteiger an die Grenzen der physischen und psychischen Belastbarkeit. Die Landschaft ist jedoch so außergewöhnlich schön, daß sie sämtliche Mühen und Anstrengungen aufwiegt. Ein unbeschreibliches Erlebnis. Wir entschlossen uns, die Tour ohne Bergführer zu gehen. Dies ist bei der Mont Blanc Überschreitung auch möglich.

    Jedem, der diese Bergtour plant sei an dieser Stelle ausdrücklich empfohlen, sich sowohl technisch als auch konditionell ausreichend vorzubereiten, nur so läßt sich die Tour genießen, anders wird sie höchstwahrscheinlich zur Tortur.

    Ps.: @Flo: Von der Zugspitze herunter zum Sonnalpin ist ein gemütlicher Wanderweg ;-)

    8 Kommentare zu „Mont Blanc – Abstieg über Spaltenhausen“

    1. Moritzclimbs sagt:

      Aufgrund der Nachfrage stelle ich die GPX- und KML-Dateien hier zum Download bereit: KML- oder GPX-Datei runter. Rechtsklick –> Speichern als… fertig.

    2. Manfred sagt:

      Sehr interessanter Bericht!

      Im August soll’s von Süden über die Grises-Route rauf gehen, und anschließend anders runter, vieleicht über die Aiguille du Midi – die GPS-Daten wären wirklich toll.

      Vielen Dank schon mal und Bergheil,

      Manfred

    3. Peer Wachsmann sagt:

      Sehr interessanter Bericht.
      Ich möchte die Tour im Sommer 2010 als Sektionstour durchführen,
      Zustieg zur Goute Hütte jedoch von Italien. Bestimmt leerer und kein Steinschlag
      Kannst Du mir bitte die GPS Daten mailen,

      Danke

      Peer

    4. Dino sagt:

      Super Bericht und nette Bilder. Ich möchte gerne diese Überschreitung “anders herum” machen (Sommer 2010). Den Normalweg habe ich schon hinter mir, jetzt gilt es die Überschreitung mal zu meistern. Ich würde mich über die GPS Daten freuen, damit man mal im groben schon planen kann.

      Danke schon mal und weiterhin Euch/Dir so tolle Bergtage.

    5. tony sagt:

      Hi, thx fuer die infos – stahlseil!? und zwei schluesselstellen? mir ist nur die kleine steilflanke unterhalb des col du mt maudit bekannt, mit dem kleinen felsteil im oberen teil.
      kommende woche soll das wetter gut werden, mal sehen…
      gruesse

    6. Moritzclimbs sagt:

      Hi Tony,
      an der ersten Schlüsselstelle war das Stahlseil noch vom Schnee bedeckt, hier muß ca. 20 m mit eigenem Seil abgeseilt werden.
      An der zweiten Schlüsselstelle waren ca. 60 m Fixseil verlegt. Wirklich vertrauenserweckend sah das jedoch nicht aus. Aber mit ein wenig Vorsicht, Konzentration und Eispickel-Einsatz benötitg man das ansich nicht.
      Wann willst du die Tour machen? Viel Erfolg!

    7. tony sagt:

      wie war die schluesselstelle am mt maudit im abstieg? war noch ein fixseil da? seid ihr abgeklettert oder abgeseilt (eigenes seil oder fixseil)? thx

    8. Klaus G. sagt:

      Ein toller Bildbericht mit wirklich schönen Fotos …
      Gruß aus Oberkärnten

      Klaus

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